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14. August 2011

Marillen- Knödel – die Haute Couture der Alpenküche

Dieses Gericht war immer ein Highlight in den Tirol-Urlauben meiner Kindheit! Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass es so oft auf Speisekarten gestanden hätte. Es war viel mehr den riesigen Küchen unserer Gastgeber vorbehalten, in denen sich offenbar alles Privatleben abspielte, wo auf riesigen Holzöfen gekocht und gebacken wurde ohne dass etwas anbrannte (Man stelle sich das mal vor! Gelingt mir ja noch nicht einmal mit einem Elektroherd!) und man immer willkommen war. Marillenknödel gab es in unserem Fall, wenn die Schwägerin unserer Gastwirtin zu Besuch war: Barbara war (und ist es wohl immer noch) eine unbestrittene Mehlspeisen-Godess.
Da meine Mutter sich jetzt schon viele Male aus meinen "Anregungen", doch endlich mal wieder Marillenknödel zu machen, herausgeredet hat, musste ich es schließlich selbst einmal probieren bevor die letzten Aprikosen vom Markt verschwunden sind! Für alle Nachahmer sei hier gesagt: Kartoffelknödel-Teig hat immer eine niedrige Frustrations-Schwelle und daher sind alle Angaben für den Teig mit Vorsicht zu geniessen und sollten jeweils immer nur in Teilen verarbeitet werden, damit man nicht den Moment verpasst in dem der Teig wirklich gut... gewesen ist. Wer sich da unsicher ist, sollte das Rezept weiter empfehlen und sich einfach einladen lassen!
Für 2 Personen braucht man:
300 - 400 g mehlige (!) Kartoffeln, gekocht, ausgekühlt und krümmelig gestampft (wer glücklicher Besitzer einer Kartoffelpresse ist, mag diese verwenden)
150 - 200 g Mehl (ich neige in letzter Zeit bei allem was saftig oder klebrig ist (beides trifft hier zu) etwa 1/4 der Mehlmenge durch Gries zu ersetzen – wie Oma! Wenn man dem Teig nach dem Anrühren etwas Zeit gibt, quillt der Gries und entzieht der Teigmasse so etwas Flüssigkeit und macht das Endprodukt schön fluffig! Aber Achtung: Zu viel und der Teig wird nachher zu Gummi – niemand will das!
1 Ei zur Sicherheit erst nur das Eigelb verwenden. Nur wenn der Teig nicht weich genug wird, darf das Eiweiß mit rein
1 Prise Salz wie gesagt zu einem homogenen Teig ohne große Kartoffelstücke verarbeiten und bei der Verwendung von Gries ca. 10 bis 15 Minuten ruhen lassen. Am Ende hat er am ehesten die Konsistenz von Rührteig, es sei denn, man hat ein glückliches Händchen für Mehlspeisen. Ich hatte es nicht und habe ziemlich lange an dem Teig gedoktert bis er taugte – bin halt nur ein Saupreuß'!
8 - 10 reife Aprikosen (je kleiner je lieber) halb aufschneiden, entkernen und mit je einem Stück
Würfelzucker füllen
In einem großen Topf Wasser zum Sieden bringen (NIEMALS zum Kochen!). Jetzt hilft eine gut arrangierter Arbeitsbereich: Teig inkl. ein Esslöffel zum Abstechen und die präparierten Aprikosen auf zwölf Uhr, zur einen Seite der Topf mit dem Wasser in richtiger Temperatur und einem Schaumlöffel. Zur anderen Seite eine Möglichkeit sich ausreichend die Hände anzufeuchten und zu säubern (z.B. die Spüle?) und ein Handtuch um den Hals.
Jetzt pro Aprikose einen ordentlich gehäuften Esslöffel Teig auf die nasse Handfläche setzten, mit dem Löffel leicht breit drücken, eine Aprikose darauf setzen und jetzt "flott" versuchen, den Teig gleichmäßig um die Frucht zu schleimen, bevor der Teig einem erbarmungslos die Finger verklebt und das Obst immer noch nackig ist. Dann den Knödel mit Hilfe des Schaumlöffels in den Topf geleiten und hier gilt das eherne Gesetz aller Knödel: Was oben schwimmt ist fertig. Wer den Gries verwendet hat, darf dem Knödel aber noch 2 Minuten extra geben: um so fluffiger wird's!
Wer es bis hierher geschafft hat, der kann auch noch rasch 1 bis 2 Esslöffel Butter in einer Pfanne mit etwas Semmelbrösel und einem Spürchen Salz bräunen. Die kommen im Anschluss über die fertigen Knödel zusammen mit braunem Zucker und Zimt nach Belieben. 
Warum man sich das alles antun sollte? Der Geschmack ist so genial wie einfach: Schließlich ist das einzig Süße der mittlerweile geschmolzene Zuckerwürfel in der zwar aromatischen, aber eher säuerlichen Aprikose. Der Teig schmeckt aber eher herzhaft-kartoffelig, zusammen ist das einfach großartig!
Viel Spaß und... enjoy!

9. August 2011

süße Ricotta- Tomatensoße zur Pasta

"Diese ist die absolut beste aller je da gewesenen besten Pastasoßen!" Ach, halt die Klappe Jamie! Diese Tomatensoße gehört mittlerweile in meine Top-3, hm, auf jeden Fall aber in die Top-5 meiner Pastasoßen (es fallen einem ja so viele gute Sachen ein, wenn man erst einmal darüber nachdenkt...)! Sie schmeckt einfach so wahnsinnig kuschelig, ein bißchen nach Kindheit, einschmeichelnd und unschuldig sahnig. Unschuldig zu Recht, da sie zwar nach Sahne schmeckt, in Wirklichkeit aber kaum Fett vorzuweisen hat – aber wen interessiert das schon! Diese Portion taugt für 3-4 Personen. Weniger mache ich nie, da der angebrochene Ricotta ja nicht unter die Räder kommen soll und sie sich außerdem gut einfrieren lässt.
3 Dosen stückige Tomaten (nein Jamie, es muss nicht die teuerste, aber original italienische Sorte aus dem original italienischen Delikatessenladen deines besten Freundes sein!)
1 1/2 Tl Salz
1 1/2 El Zucker (wer das viel findet sei auf den Zuckergehalt von Fertiggerichten hingewiesen – also bitte Leute!)
3 El guter Balsamico (ok Jamie, der sollte diesmal wirklich gut sein, damit meine ich, er soll weich und süß wie Balsamico schmecken und nicht scharf und ätzend wie Essig, der nur zufällig etwas dunkler geraten ist. Den auf dem Foto kann ich sehr empfehlen und er ist auch noch erschwinglich!)
zusammen in einer großen Pfanne bei mittlerer, später kleiner Hitze köcheln lassen. Tatsächlich ohne Öl oder ähnliches. Damit Geschmack und Konsistenz stimmen, lasse ich die Soße immer richtig lange auf dem Herd: Minimum sind 45 Minuten, gerne aber um einiges länger!
Wenn euch die Konsistenz der Soße gefällt und die Pasta in 5 bis 10 Minuten fertig ist kommen
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer (nach Belieben)
1/2 Bund gehacktes Basilikum und der
125 g Ricotta in die Soße.
So umrühren, dass von dem Ricotta noch "Batzen" übrig bleiben. Die Soße soll erstens nicht rosa und nach organischen Abfällen aussehen, zweitens schmeckt es auch schöner, wenn man nachher auf eine Ricotta-Insel stößt... Tja. Das war's diesmal schon. Wieder einmal ist der Beweis erbracht, dass die einfach Dinge auch oft die besten sind!
Enjoy!

5. August 2011

Bhaji - Gemüsecurry

Nein, ich habe nicht grade "indische Woche" – oder... doch, eigentlich schon. Für mich als Gemüsemuffel ist die indische Küche die attraktivste Lösung, mich mit Gemüse einzulassen (wenn man vermeiden will, einen schweren Hollandaise-Schock zu erleiden...). Und da momentan einfach alles auf einmal in den Topf oder die Pfanne will, ist dieses Bhaji eine perfekte Lösung, weil man immer wieder andere Gemüsesorten kombinieren kann. Noch dazu braucht man, ganz untypisch für die indische Küche, weder aufwendige Gewürzmischungen, noch viel Zeit!


Für ca. 3 Portionen (einfrieren und aufwärmen klappt sehr gut) nehme ich:


5-6 große Kartoffeln mit Schale und in Achtel geschnitten 
1/2 Spitzkohl halbiert und in 2 cm breite Streifen geschnitten
1 Aubergine geviertelt und in 1 cm breite Streifen geschnitten
4 Stangen Lauch in Ringeln
5 Tomaten in Achtel geschnitten
3 gehackte Knoblauchzehen in 2 EL Öl bei mittlerer Hitze weich braten und anschließend die Kartoffelstücke zufügen und mitbraten. Weil die Kartoffeln eine längere Garzeit benötigen, bekommen sie 10-15 Minuten Vorsprung, bevor Ihnen das restliche Gemüse in die Pfanne folgt...
In der Zwischenzeit kann man die restlichen Gewürze vorbereiten:
2 Tl Curcuma
1 grüne Chilli in Ringeln
1 rote Chilli in Ringeln (wenn eine Farbe grade ausgegangen ist, tun es auch 2 Chilli von einer Sorte)
1 El Salz 
Wenn die Kartoffeln nach 10 - 15 Minuten halb gegart sind, kommt in einem Schwung alles restliche Gemüse und die Gewürze in die Pfanne. An dieser Stelle sei noch gesagt: Wer, wie hier, derart sperriges Gemüse verwendet, sollte sich vorher überlegen, ob seine Pfanne groß genug ist. Alles andere ist wirklich... unschön!
Das Gericht gart dann noch ca. 20 Minuten weiter, abhängig davon, ob die Kartoffeln schon gar sind und wie viel Biss das restliche Gemüse haben soll. Zuletzt noch mal mit Salz abschmecken und mit frischem gehackten

Koriander oder Minze bestreuen. Klar, diese Kräuter sind sich alles andere als ähnlich, wichtig ist, das etwas frisches und "ätherisches" mit wirklich frischer Note oben drüber kommt – und Basilikum darf heute mal nicht mitspielen! :D  Enjoy!